Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Coccidien
Tanja753
20.12.2004, 23:57
Also, von vorne: Ich hab mir bei Fire&Ice drei Bartagamen bestellt. Zwei sind kerngesund, eine (Snow) macht Probleme. Seit ihrer Ankunft letzten Mittwoch hat sie nichts gefressen, wirkte aber kerngesund. Hab heute routinemäßig eine Kotprobe meiner Kleinen zum Tierarzt gebracht: Sie hat Coccidien. Überlebenschancen angeblich 10% und eine sauteure Behandlung, aber ich werde es versuchen...
Hat irgendwer Tipps? Sie bekommt 3 Tage lang täglich 7prozentiges Borgal, dann zwei Tage Pause und dann das gleiche noch mal. Das wird vier mal immer nach einer Kotprobe wiederholt. Das Mittel wird in Futtertiere gesprizt, die sie natürlich nicht essen will, aber sie muss halt... Wenigstens ist der Rest der Meute gesund.
Bin für jeden Tipp/ jede Erfahrung dankbar,
Tanja
Sgt. Fr. Tanja!
Offensichtlich ist das alte Problem der Zuziehung eines kundigen Tierarztes bzw. informierten Parasitologen ein unlösbares >>
Alle (ich wiederhole: alle!) Bartagamen haben im Laufe ihres Lebens zumindest einmal eine Coccidien-Infektion. Diese Kokkzidie ist ein parasitischer Einzeller, heißt Isospora amphiboluri, und ist Bartagamen-spezifisch (d.h. hat nur Bartagamen als Wirte).
Normalerweise erwerben die Tiere diese Infektion knapp nach dem Schlupf durch den Kontakt mit dem Kot älterer Tiere, dies heißt präzise: die Tiere scheiden den Keim lebenslang aus, wenn auch in einer Dosis, die unterhalb der Nachweisbarkeitsgrenze liegt (die Tests sind dann -richtig- negativ, aber das Tier trotzdem infiziert. Dies ist nichts besonderes, sondern ein häufiges Laborproblem).
Eine kausale (!) Behandlung dagegen gibt es nicht, alleine die Vermehrung kann mittels einiger "Malariamittel" etwas eingeschränkt werden. Es bleibt die Frage wozu? Todesfälle sind unbekannt, Erkrankungen umstritten. Jede Art von Behandlung ohne Diagnose (und "Coccidien" ist KEINE Diagnose, es fehlt die Artbestimmung) ist ein schwerer äztlicher Kunstfehler. /forum/images/graemlins/confused.gif
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Berufsethos mancher Tierärzte oder aber ihr Wissen und Können stark zu wünschen überlassen. Ein Wechsel des Tierarztes wäre zu überlegen.
MfG
A. Hassl
Mikrobiologe
Tanja753
21.12.2004, 15:33
@Hassl
Vielen Dank für die Antwort, jetzt bin ich verwirrt... HILFE!
Meine Tierärztin ist DIE Spezialistin für Echsen in meinem Bundesland. Ich hab mich auf ihre Diagnose verlassen. Coccidien haben nur Bartagamen? Ich hab mich ein bisschen umgehört und Hühner und Hunde können auch Coccidien haben, wobei ich mich mit den verschiedenen Stämmen nicht im geringsten auskenne. Ich hab mir auf der Seite der Zoologie der Uni Kiel (http://www.uni-kiel.de/zoologie/parasito/reptil/anthelmi/node4.html#SECTION00311200000000000000) alles durchgelesen und da steht, dass manche Stämme harmlos sind, andere tödlich. Fest steht nur: Meine Kleine frisst nichts und hängt schlapp herum (und nein, das ist kein Winterschlaf) also ist sie nicht gesund. Bei der letzten Kotprobe bestand die Hälfte nur aus Eiern und Würmchen. Ist vielleicht die Stärke des Befalles das ausschlaggebende?
Ich bin jetzt jeden Tag bei der Ärztin gewesen, mehr kann ich nicht tun. Auf die Idee, das die Diagnose falsch ist, bin ich nicht gekommen. Könnte das wirklich sein? Sollte ich eine zweite Meinung einholen? Oder ist das zu viel Stress für die Kleine (da sie nicht mehr kotet, müsste ich sie zum Abstrich Machen mitnehmen.)
Danke,
Tanja
Leider nur Althistorikerin
julchen10
21.12.2004, 20:26
Hallo Tanja!
Du hast ja gesagt du hast dir die Tiere aus den USA schicken lassen. Müssen da die Tiere nicht normalerweise auch in Quarantäne oder bilde ich mir das nur so ein? Da hätten doch die Ärzte so etwas erkennen müssen wenn der Kot eines Tieres total voller Eier und Würmchen ist??! Solche Tiere dürften doch gar nicht nach Österreich eingeführt werden??? Oder übertreibe ich jetzt??
mfG
Julia
Tanja753
21.12.2004, 21:29
Hi Julia
Stimmt, die hätten gar nicht einreisen dürfen. Der Tierarzt in den USA muss gepfuscht haben - und zwar ziemlich schwer gepfuscht. Ich hab den Verdacht, dass die Züchtern Blankobescheinigungen für solche Sachen ausstellen, Hauptsache, er wird bezahlt... Am Flughafen sind die Kleinen nur äußerlich untersucht worden, da war ich dabei. Die anderen zwei sind übrigens kerngesund, meine Ärztin meint, sie hätte noch nie so sauberen Reptilienkot gesehen.
Alles in allem bin ich ziemlich sauer auf die Amerikaner, noch dazu wo Fire&Ice jetzt abstreiten, dass das Tier schon krank war (bei der schwere der Infektion ist die aber sicher nicht erst drei Tage alt!). Ich hoffe nur, meine Yeti überlebt, sie liegt jetzt den ganzen Tag in der Wasserschüssel und wir müssen sie Zwangsfüttern, weil die Medikamente ohne Futter zu stark sind und nicht richtig greifen.
BB,
Tanja
Tanja753
23.12.2004, 00:04
Hab heute in meiner Heimatstadt Linz eine zweite Meinung eingeholt. Abgesehen von einem anderen Konzentration des Mittels war die Diagnose die gleiche. Und die Diagnose lautet natürlich nicht Coccidien, sondern führt den Befall mit 5 verschiedenen Stämmen an (lange lateinische Namen - kann nichts damit anfangen). Als ich ankam, hat die Ärztin übrigens gerade ein Chamälion operiert, sie scheint sich also auszukennen, wurde mir jedenfalls wärmstens empfohlen.
Auf jeden Fall scheint mir die Meinung zweier vertrauenswürdiger Ärztinnen mit ausgezeichnetem Ruf verlässlicher als eine Ferndiagnose, die aus irgendwelchen mir unerfindlichen Gründen einfach annimmt, dass meine Kleine mit einem bestimmten Stamm befallen ist. Keine Ahnung, wie man auf so was kommt /forum/images/graemlins/confused.gif.
BB,
Tanja
Hallo Tanja, ..
Mein Hundeweibchen hatte auch schon Coccidien, ..
war auch die einzige Diagnose die ich damals bekommen habe,
das Tier war ein ehemaliger "Strandhund" und mir sagte man
damals, dass es eigentlich eine Hühnerinfektion ist die
nur Hühner bekommen würden!
Mein Hund sah allerdings gar nicht aus wie ein Huhn!
Stamm? Ich erinner mich nicht, aber ich kann Deine
Verwirrung echt verstehen!
Drücke Dir die Daumen!
Gute Besserung!
Sabine
Tanja753
27.12.2004, 01:16
Tolle Neuigkeiten! Seit gestern frisst und kotet meine Kleine wieder normal. Die Tierärztin meinte, wenn sie die erste Dosis überlebt, wird sie es schaffen, also stehen die Chancen super!
BB,
Tanja
Tanja753
07.01.2005, 19:17
Hab heute eine Kotprobe abgegeben: Darin befanden sich nur mehr ganz wenige der harmlosen Coccidien, und die waren tot! Von den gefährlichen keine Spur mehr. In vier Wochen ist dann die endgültige Kontrolle.
BB,
Tanja
Tanja753
25.01.2005, 15:30
War heute bei der endgültigen Kontrolle: Yeti ist wieder vollständig gesund. Seit dem Absätzen der Medikamente ist sie schon 2 cm gewachsen und sie beginnt gerade mit der Häutung.
BB,
TAnja
Moderator_Phil
05.02.2005, 13:03
Glückwunsch:
Bei mir ist der Kokzidienbefahl nicht ganz so glimpflich abgelaufen...3 von 8 Tieren sind mir dran gestorben!?! Aber normalerweise ist die Behandlung von Kokzidien kein Problem...meine waren leider eh schon in einer sehr schlechten Verfassung!?
Was ich nicht ganz verstehe ist die Aussage, das alle Bartagamen diese in ihrem Leben bekommen!?! Solange - eben durch Kotübertragung - kein Kontakt zu den Oozysten besteht ist auch keine Infektionsgefahr...
Greetz
Phil
eine Kokzidiose ist wirklich bei vielen Terrarientieren vorhanden. Natürlich nicth bei allen, aber bei sehr vielen. Eine bestimmte Zahl an Parasiten kann von einigen Tieren vertragen werden. Manche entwickeln eine Art Immunität dagegen, insbesondere nach dem sie bereits einen stärkeren Befall überlebt haben.
Geschwächte Tiere, oder bei schlechten hygienischen Umständen im Terrarium (z.B. Kot wird nicht abgeräumt oder von Bodenfauna verwertet, Stichwort "Keimdruck") kann die Kokzidiose aber ausbrechen und das Tier töten.
Wenn also Tiere im Terrarium sind, die davon befallen sind. Was sehr wahrscienlich ist, dann kann ein anderes Tier diese cysten aufnehmen.
Gefäjhrlich sind also in diesem Fall die ausgeschiedenen und im Terrarium vorhandenen Oozysten, welche man sehr gründlich entfernen muss (und die Tiere derweil in ein Quarantänebecken setzen, zumindest für den Zeitraum der Behandlung). Sakrotan ist da zu schwach, am besten Rat vom Tierarzt einholen.
Sonst besteht eine hohe Gefahr, dass die Tiere nach erflogreicher Behandlung sich erneut reinfizieren. Und falls man mal Jungtiere bekommt, die adulten Tiere zu schwach sind, oder neue Tiere ankommen, dann hat man den nächsten Patienten.
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