PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Selbstmord aufgrund Tierschutzgesetz


imported_admin
17.03.2006, 16:07
Man kann sich je wirklich nur wundern mit wieviel Augenmass das neue mit total absurden Bestimmungen vollgestopfte Tierschutzgesetz vollzogen wird.

Quelle: "Kurier" vom 17.03.2006 von Franz Resperger

Theresia Dimm aus St. Pölten ist schwer krank. Die Frühpensionistin leidet an einem Gendefekt, der ihre Haut zerfrisst. Dass die Frau noch lebt, verdankt sie ihren drei Lieblingen: Jakob, Cora, und Charly - drei Papageien: "Ohne meine Tiere wäre ich längst tot." Um genau diese drei Papageien ist nun ein wilder Rechtsstreit entbrannt, der die Pensionistin fast in Tod getrieben hätte. Finanziell ist Dimm längst ruiniert.

"Nau, wer kummt denn do?", will ein krächzende Stimme wissen, als das KURIER-Team die Wohnung von Theresia Dimm betritt. "Das ist die Cora", beruhigt die Hausfrau. Eine zweijährige Amazone, die selbst den Hausarzt verwirrt, wenn er bei den Dimms anruft. "Der Doktor weiß oft gar nicht, ob ich am Telefon bin oder die Cora", schmunzelt die Frühpensionistin.

Das Lachen ist Dimm längst vergangen. Nicht nur, dass sie seit Jahren eine lebensbedrohliche Krankheit quält, wollte man der Papageienmutter auch ihre geliebten Tiere wegnehmen. Grund: Das neue Bundestierschutzgesetz, das am 1. Jänner 2005 in Kraft getreten ist.

Darin ist festgehalten, wie Papageien betreut werden müssen. Und zwar in Käfigen, die mindestens vier Meter lang, 2,50 Meter hoch und zwei Meter breit sind. Dimm: "Der erste Papagei, der Jakob, ist vor zehn Jahren bei mir eingezogen. Und noch nie hat sich jemand daran gestoßen, wie die Tiere bei mir leben."

FRIST

Die Papageien fühlen sich wohl, klettern aus den seit 1. Jänner 2005 zu kleinen Käfigen, flattern auf die Schultern von Dimm und herzen sie mit dem mächtigen Schnabel an der Nase. Damit ist es jetzt vorbei. Denn spätestens am 30. Juni müssen die Papageien aus der Wohnung verschwinden.

"Ich wurde angezeigt, dass die alten Käfige nicht dem neuen Gesetz entsprechen. Ich habe mehrmals Einspruch erhoben, alles umsonst. Wenn ich den Tieren keinen größeren Lebensraum bieten kann, muss ich sie hergeben", schildert Dimm mit Tränen in den Augen.

Verzweifelt und aus Angst ihre geliebten Tiere zu verlieren, schluckte die Frühpensionistin 200 Morphiumtabletten. Der Selbstmordversuch misslang, die schwerkranke Frau überlebte. "Der Amtstierarzt hat mir geraten, ich soll alle Möbel aus der Wohnung räumen, dann wäre genug Platz für die neuen Käfig", ärgert sich Dimm noch heute.

So blieb der Frau, die von 550 Euro im Monat lebt, nur noch der letzte Ausweg: Die Wohnung aufgeben, ein neues Zuhause suchen. Mit ihrem 20-jährigen Sohn nahm sich die Tierfreundin 178.000 Euro Kredit und kaufte ein altes Wirtshaus in Gerasdorf, Bezirk Wien Umgebung - 80 Kilometer von St. Pölten entfernt.

Dort haust Dimm jetzt mit ihrem Sohn und dessen Lebensgefährtin. Von wohnen kann keine Rede sein. Die Zwischendecke ist einsturzgefährdet, die Heizung kaputt, das Dach löchrig und die Wasserleitung leckt.

Dafür haben die Papageien jetzt genug Lebensraum - und die Dimms Schulden bis an ihr Lebensende.